Einsatz Nr. 9327:
In einer
im Erdgeschoß gelegenen Wohnung in der Maroltingergasse kommt es vermutlich
durch Unachtsamkeit mit einer Zigarette zum Brand einer Schaumstoffmatratze.
Der Wohnungsinhaber wirft die glosende Matratze zu einigen Kleidungsstücken
in die Badewanne und verlässt die Wohnung. So kann sich der Glimmbrand
weiter entwickeln bis eine Wohnpartei die Feuerwehr alarmiert.
Beim Eintreffen sehen sich die Einsatzkräfte zunächst mit einer Standardsituation
konfrontiert. Zwei Feuerwehrbeamte rüsten sich mit Atemschutzgeräten
aus und sind vor der noch geschlossenen Wohnungstüre damit beschäftigt,
die Masken anzuschließen.
Plötzlich kommt es im Wohnungsinneren zu einer heftigen Verpuffung. Die
Druckwelle ist so stark, dass die Eingangstüre zerstört wird. Die
beiden Feuerwehrmänner werden gegen die gegenüber liegende Tür
4 (siehe Skizze) geschleudert und verlieren ihre Atemschutzmasken. Sie flüchten
in den zweiten Halbstock, wo sie aus dem offenen Stiegenhausfenster um Hilfe
rufen. Die Kollegen werfen ihnen neue Masken zu, gleichzeitig marschiert der
Rettungstrupp ein, um die Verletzten in Sicherheit zu bringen. Im Freien werden
die beiden Männer vom Rettungsdienst übernommen und erstversorgt.
Beide erleiden eine Rauchgasvergiftung, bei einem Kollegen muss eine vier Zentimeter
lange Rissquetschwunde genäht werden. Unmittelbar nach der Verpuffung wird
vom Einsatzleiter BR Gerhard Pober, der seitlich der Türe stand und dadurch
von der Druckwelle nicht erfasst wurde, Alarmstufe zwei ausgelöst. Der
Brand kann mit einem Rohr unter Atemschutz rasch gelöscht werden. Die umliegenden
Wohnungen werden kontrolliert, wobei eine Person (Tür 2) mit einer Fluchtfiltermaske
in Sicherheit gebracht werden muss.
Von der Brandursachenermittlungsgruppe wird später der Brandverlauf rückverfolgt.
Da in der Nähe der Badewanne keine weiteren brennbaren Stoffe vorhanden
waren, konnte sich der Brand nicht weiter ausbreiten und die Schaumstoffmatratze
verbrannte zur Gänze. Aufgrund der geringen Größe des Badezimmers,
die Türe war geschlossen, kam es zu einem Schwelbrand unter Sauerstoffmangel.
Dabei entstehen brennbare Gase, die sich normalerweise beim Bersten eines Fensters
oder Öffnen der Türe entzünden und zu einer Verpuffung führen
können. Woher in diesem Fall die rasche Sauerstoffzufuhr stammte, konnte
nicht festgestellt werden, auch Brandbeschleuniger konnten nicht nachgewiesen
werden.Das Durchzünden von Schwelgasen, in Fachkreisen auch "Backdraft"
genannt, kommt bei Brandbekämpfungen öfter vor. Diese Verpuffung war
trotz der relativ geringen Brennstoffmenge sehr heftig, auch die Druckausbreitung
verlief nicht typisch. Eine weitere Besonderheit stellte das laute Grollen dar,
welches kurz zuvor deutlich wahrgenommen werden konnte. Dieses Phänomen
dürfte durch die Luftnachströmung verursacht worden sein.

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