Spannungsgeladene Löscharbeiten

Einsatz Nr. 11892:

Unterhalb der Trasse der U-Bahn Linie U 6 befinden sich Gewölbebögen, welche in den letzten Jahren verstärkt als Lokale genutzt werden. Aus zunächst nicht feststellbarer Ursache war es in einer Bar im Lüftungs- und Abstellbereich zu einem Brand gekommen. Dieser wurde nach gewaltsamem Öffnen der Eingangstüre mit einem Rohr unter Atemschutz rasch gelöscht.
Bei den Nachlöscharbeiten wurde vom Einsatzpersonal immer wieder beobachtet, dass trotz Abschaltung der Stromzufuhr lichtbogenartige Erscheinungen an der Gewölbedecke auftraten.
Bei weiteren Untersuchungen wurde festgestellt, dass es in einem angrenzenden Geschäftslokal zwischen einem Eisenträger und der Gewölbedecke ebenfalls zu einem Lichtbogen kam. Desweiteren konnten aus einer Tischlerei in benachbarten Gewölbebögen Geräusche, welche bei der Entstehung von Lichtbögen auftreten, wahrgenommen werden.
Von den E-Werken wurden Strommessungen im Geschäftslokal durchgeführt, wobei an einzelnen metallischen Teilen 400 Volt Gleichspannung gemessen wurde! Daraufhin wurden von den "Wiener Linien" Untersuchungen an der U-Bahn Trasse der U 6 durchgeführt. Bei diesen Untersuchungen konnte ein Stromüberschlag an einem Mast festgestellt werden. Der defekte Bereich wurde sofort abgeschalten und die Behebung des Schadens umgehend in die Wege geleitet.
Da nicht auszuschließen war, dass der Kleinbrand im Lokal durch den Defekt an der Oberleitungsanlage entstanden ist, wurde die Brandursachenermittlungsgruppe angefordert. Von dieser wurde festgestellt, dass es zu einem Fehler beim Potentialausgleich gekommen war. Dadurch wurde Spannung auf die Steher der Oberleitung übertragen und in weiterer Folge über Baustahl auf die Konstruktion der darunter liegenden Lokale geleitet. Mit hoher Wahrscheinlichkeit wurden durch den entstehenden Lichtbogen, welcher eine Temperatur von ca. 1800 oC aufweist, Papierlagerungen entzündet.Dieses Beispiel zeigt, dass man bei Feuerwehreinsätzen oft mit völlig unerwarteten Risken konfrontiert ist!

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