Der letzte Einsatz von Brandmeister Wilhelm Tindl
Einsatz Nr. 21140 vom 23.9.1998
Einsatzadresse: 16., Lerchenfeldergürtel 33
Von den alarmierten Löschkräften
wird nach dem Erreichen der Einsatzstelle festgestellt, daß der gesamte
Keller sowie der Gangbereich eines Wohnobjektes dicht verraucht sind. Vom Universallöschfahrzeug
Hernals wird ein Atemschutztrupp, bestehend aus BM Tindl und zwei
Oberfeuerwehrmännern gestellt. Dieser Trupp marschiert zunächst mit
einem Rohr in den Keller ein. Von der restlichen Mannschaft werden Bewohner
des Objektes mit Fluchtfiltermasken evakuiert; sechs Personen müssen mit
Verdacht auf Rauchgasvergiftung an den Rettungsdienst übergeben werden.
Der Atemschutztrupp wird durch die starke Hitzeentwicklung schon nach kurzer
Zeit zum Rückzug aus dem Keller gezwungen.
In der Folge werden zwei Mittelschaumrohre vorgenommen. Mit einem Schaumrohr
marschiert der Atemschutztrupp wieder in den Keller ein, mit dem zweiten wird
versucht, von einem hofseitigen Fenster aus den Keller zu fluten. Dem Atemschutztrupp
gelingt es zunächst, das Schaumrohr bis zum Brandherd kriechend vorzutragen
und dort wieder mit der Löschtätigkeit zu beginnen.
Es brennen Gerümpel und Autoreifen, wodurch absolut keine Sicht mehr vorhanden
ist. Die Wärmestrahlung ist so enorm, daß nur in fast liegender Stellung
gelöscht werden kann.
Kurze Zeit später stürzen Mauerteile einer Zwischenwand - vermutlich
aufgrund des abgebrannten Holztürstockes, welcher bis dahin der Mauer Halt
gab - herab und treffen die Männer des Atemschutztrupps. Durch diesen Umstand
wird der Trupp getrennt und verliert die Schlauchleitung, welche nicht wieder
gefunden werden kann. Einem OFM gelingt es, die Kellerstiegen zu erreichen,
als er jedoch feststellt, daß die übrigen Truppmitglieder fehlen,
geht er zurück in Richtung Brandstelle. Der zweite OFM kriecht zwischenzeitlich
- durch den Vorfall desorientiert - in die falsche Richtung. Er kann in letzter
Sekunde gerettet werden.
BM Tindl dürfte, getroffen durch herabstürzenden Teile und das laute,
dumpfe Geräusch, die Orientierung verloren haben. Er gelangte in ein schräg
hinter ihm befindliches offenstehendes Kellerabteil. In diesem Abteil befinden
sich unter anderem ein Motorblock, eine Waschmaschine, ein Heizkonvektor und
sperriges Sammelgut. An wegstehenden Teilen des Motorblockes bleibt BM Tindl
mit der Bebänderung seines Atemschutzgerätes hängen. Es ist ihm
nicht möglich, sich aus dieser Situation zu befreien und sein Atemluftvorrat
geht zu Ende.
Zwischenzeitlich begibt sich ein Rettungstrupp mit einem Rohr in den Keller.
Jetzt kommt die äußerst komplizierte bauliche Situation zum Tragen.
Durch eine weitere Öffnung in der Mauer des Brandraumes ist die Hitzeeinwirkung
auf den einmarschierenden Atemschutztrupp von der falschen Seite spürbar.
Der Trupp dringt daher zunächst in die falsche Richtung vor und kehrt erst
um, als die Hitze nachläßt.
Wenig später gelangen die Atemschutzträger schließlich zum Brandort,
wo es gelingt, den Brand vorerst abzulöschen. BM Tindl kann zu diesem Zeitpunkt
jedoch nicht gefunden werden. Da ein Gerät bereits auf Reserve ist, muß
der Trupp den Keller verlassen. Zeitgleich werden weitere Atemschutzträger
in den Keller geschickt, wo BM Tindl schließlich von zwei Kollegen aufgrund
des noch immer leuchtenden Scheinwerfers gefunden wird.
Beim Auffinden hat BM Tindl keinen Helm und keine Atemschutzmaske mehr auf.
Da er am Motorblock verhängt ist, gestaltet sich die Bergung schwierig.
Vom Rettungsdienst, der den Verunfallten übernimmt, sind bereits alle Vorbereitungen
für eine Reanimation getroffen und das Allgemeine Krankenhaus verständigt
worden.
Brandmeister Wilhelm Tindl wird sofort in das AKH gebracht, wo er trotz aller
menschenmöglichen Bemühungen um 17:00 Uhr stirbt.
|
||||