Der Einsatzbericht
Am 16. 8. 2001 langte um 12:58 Uhr in der Nachrichtenzentrale der Wiener Berufsfeuerwehr ein Notruf ein, dem zufolge es am Dach der Sofiensäle brennen würde. Bereits sechs Minuten später trafen die ersten Feuerwehrkräfte an der Einsatzstelle (3., Marxergasse 17) ein, von außen konnten aber zunächst keine Anzeichen eines Dachbrandes festgestellt werden! Erst nach Ausstieg auf ein Flachdach wurde leichter Rauchaustritt bemerkt.
Unverzüglich mussten
zwei vorgefundene Flüssiggasflaschen mit einer Drehleiter in Sicherheit
gebracht werden, um eine mögliche Explosionsgefahr zu bannen. Gleichzeitig
wurde ein Rohr über das Stiegenhaus in das Dachgeschoss sowie eine Löschleitung
über eine Drehleiter auf das Flachdach vorgenommen.
Aufgrund zunehmender Verrauchung und wegen der Probleme beim Auffinden des eigentlichen
Brandherdes wurde zunächst auf Alarmstufe 2 erhöht. Da der Brandherd
im Innenangriff auf Grund der Bauweise des Objektes nicht lokalisiert werden
konnte, wurden das Flachdach sowie Teile des Giebeldaches mechanisch geöffnet
und die Brandherde mit einem Rohr bekämpft. Da im weiteren Verlauf des
Einsatzes die Brandintensität zunahm und die Sicherheit der eingesetzten
Mannschaft nicht mehr gewährleistet werden konnte, wurden die Gruppen vom
Dach zurückgezogen und die Drehleiter mit einem Wasserwerfer zum Einsatz
gebracht.
In weiterer Folge wurde
versucht, das Flachdach an einer anderen Stelle zu öffnen. Nach dem Durchbrennen
der Dachkonstruktion musste die eingesetzte Gruppe auch diesen Bereich blitzartig
verlassen! Wegen der eingetretenen Einsturzgefahr wurden auch mehrere Löschfahrzeuge
zurückgezogen. Dann wurden die Wasserwerfer einer weiteren Drehleiter und
einer Teleskopmastbühne zur Brandbekämpfung in Stellung gebracht.
Gleichzeitig wurden Innenangriffe mit mehreren Rohren unter Atemschutz durchgeführt.
Eine weitere Löschbereitschaft verstärkte die Brandbekämpfung
mit Wasserwerfern und im Innenangriff vorgetragenen Rohren. Diese Innenangriffe
verzögerten zunächst auch erfolgreich die Brandausbreitung im Bereich
des Daches und der Saaldecke.
Plötzlich stürzte aber das Dach in den Saal und setzte dort den Fußboden - eine Holzkonstruktion über einem ehemaligen Schwimmbecken - in Brand. Über die hölzerne Stirnwand der Saalbühne breitete sich das Feuer in die Unterbühne und in den Schnürboden aus.
Zur Brandbekämpfung in den angeführten Bereichen waren über die beiden Bühnenzugänge vier Rohre eingesetzt. Die Atemschutztrupps wurden abwechselnd im Innenangriff und in den Ruhephasen als Rettungstrupps eingesetzt! Das bedeutet, dass die Feuerwehrmänner nach der Brandbekämpfung ein neues Atemschutzgerät anlegten und an der Gefährdungsgrenze in Bereitstellung blieben, um bei etwaigen Unfällen die eigenen Kollegen retten zu können.
Auf Grund der starken Rauchentwicklung mussten die angrenzenden Häuser der Kegel- und Seidlgasse von der Polizei kurzzeitig evakuiert werden. Die Bewohner wurden in Bussen der Wiener Verkehrsbetriebe untergebracht und vom Rettungsdienst sowie einem Psychologenteam betreut.
Von einer weiteren Löschbereitschaft wurden die angrenzenden Objekte begangen und die Dachböden auf eine mögliche Brandübertragung kontrolliert. Zeitgleich wurde immer wieder versucht, Löschleitungen im Innenangriff unter Atemschutz vorzutragen und es wurde ein Hochleistungslüfter zur Brandrauchentlüftung im Eingangsbereich in Betrieb genommen.
Mit dem Wasserwerfer der Teleskopmastbühne wurde versucht, die Dachhaut des verbliebenen Dachstuhls abzuheben. Erst nach dem Abheben der Eindeckung durch den Wasserstrahl bis auf die Holzverschalung zeigte sich ein Löscherfolg. Gleichzeitig wurden einzelne Brandherde im Bereich der eingestürzten Bühnenkonstruktion mit mehreren Rohren im Innenangriff unter Atemschutz bekämpft.
Die Einsatzstelle wurde schließlich um 22:00 Uhr mit vereinzelten Glutnestern an eine Löschbereitschaft übergeben. Zur Zeit (19. 8.2001 / 12:00 Uhr) befinden sich zwei Löschgruppen und eine Teleskopmastbühne an der Einsatzstelle, Nachlöscharbeiten werden auch mit Schaumrohren durchgeführt, von "Brand aus" kann also noch keine Rede sein!
Bei diesem - nicht ungefährlichen - Einsatz wurden fünf Feuerwehrmänner verletzt und mussten ambulant behandelt werden.
Um die Anforderungen an Mannschaft und Logistik zu veranschaulichen wird abschließend festgestellt, dass während des Brandes der Sofiensäle zwischen 12:58 und 22:00 Uhr 45 andere Einsätze abgewickelt wurden, wobei bei einem Brand mehrere Personen in Sicherheit gebracht werden mussten!
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