100 Jahre Wiener Feuerwehrmuseum
Bei der Präsentation in Berlin wurden unter anderem eine Telegrafenstation, vier Wagen eines Löschzuges, damals noch mit Pferden bespannt, sowie verschiedene Fahrzeuge einer freiwilligen Feuerwehrfiliale (Depot) aus Wien gezeigt. Wien hatte im Jahre 1900 noch 46 Freiwillige Feuerwehren.
Darüber hinaus wurden viele Bilder, Plastiken und andere Gegenstände aus dem Wirkungskreis der Feuerwehr ausgestellt. Ein 50 Seiten umfassender und reich bebilderter Katalog wurde kostenlos an die Besucher der Schau verteilt.
Die Ausstellung fand großes Interesse, und bei der am 4. August stattfindenden Sitzung der Preisrichter verlieh man der Wiener Berufsfeuerwehr den 1. Preis. Es war eine goldene Medaille mit dem Porträt der Kaiserin Auguste Victoria. Damit verbunden war auch ein Preisgeld von 300 Mark.
Durch diese
in Berlin gezeigte Schau erlangte die Wiener Berufsfeuerwehr Weltruf, der
sich im 20. Jahrhundert durch Weiterentwicklungen in der Löschtechnik
und auf dem Ausrüstungssektor noch verstärken sollte. Nach der Berliner
Ausstellung wurden die Objekte noch für zwölf Tage im November desselben
Jahres in der Volkshalle des Wiener Rathauses gezeigt.
Unter den ca. 50.000 Besuchern der Wiener Ausstellung waren unter anderem
auch Kaiser Franz Josef und Wiens Bürgermeister Lueger, der auch der
Eröffnung der Ausstellung beiwohnte.
Nach diesem
großen Erfolg wurde beschlossen, die Ausstellungsstücke, mit Ausnahme
der Löschwagen, in die Zentrale zu bringen, wo sie den Grundstock für
ein Feuerwehrmuseum bilden sollten.
Das Feuerwehrkommando verfügte am 20. November 1901, dass im Haus Wien
1., Am Hof 10, das im zweiten Stock gelegene Zimmer Nr. 67 als Museum einzurichten
sei. An dieser Stelle verblieben die Schaustücke bis 1918. Die künstlerische
Ausrichtung der Sammlung, ca. 60 Objekte, war vornehmlich dem Einfluss des
damaligen Direktors der städtischen Sammlungen, Herrn Reg.Rat Karl Glossny,
zu verdanken.
Ende 1918 vergrößerte man den Mannschaftsstand in der Zentrale und aus den Museumsräumen wurden Schlafsäle. Die Ausstellungsstücke brachte man in die Feuerwache „Neubau“, Wien 7., Hermanngasse 24, und lagerte sie dort. Erst 1923 hatte die Gemeindeverwaltung die notwendigen Mittel zur Verfügung, um das Museum auferstehen zu lassen. Die „neuen“ Räume befanden sich wiederum in demselben Haus Am Hof, jedoch im 1.Stock.
Die akademischen Maler Babion, F. Lach und der Bildhauer Josef Josephu beteiligten sich maßgeblich an der Gestaltung der Museumsräume. Vom Letztgenannten stammen einige Bronzeplastiken und die ca. 2 m große Statue des Hl. Florian, welche heute beim Eingang zum Museum steht.
1925 wurde ein Katalog für das Museum aufgelegt, auf dessen 20 Seiten die Geschichte der Feuerwehr Wien, deren Fahrzeuge und die ausgestellten Objekte genauestens beschrieben waren. Einige dieser Kataloge befinden sich im Archiv des Museums.
1935 begannen wieder einmal größere Umbauten in der Zentralfeuerwache, im Zuge derer auch das Museum verändert wurde. Man richtete eine „Ehrenhalle“ ein, in welcher unter anderem die Steintafeln mit den Namen der verunglückten bzw. gefallenen (1914-18) Feuerwehrangestellten zu sehen waren. Diese Tafeln befinden sich heute im Foyer des Hauses Wien 1, Am Hof 9. Der in Höhe des ersten Stockes am Haus 9 angebrachte, steinerne Engel war ebenfalls dort ausgestellt.
In den Jahren des zweiten Weltkriegs fand das Museum natürlich wenig Aufmerksamkeit. 1944 sollen die Museumsgegenstände in elf Kisten verpackt und in das Schloß Seefeld bei Haugsdorf gebracht worden sein. Die zuständige Gutsverwaltung ließ später mitteilen, dass, ihres Wissens nach, nie Gegenstände der Feuerwehr Wien im Schloß Seefeld gelagert worden waren. Weitere Nachforschungen blieben leider ergebnislos.

Viele Museumsobjekte fanden sich aber nach dem Kriege an verschiedenen, über ganz Wien verteilten Orten wieder. Die Direktion der städtischen Sammlungen brachte den Inhalt von sieben Kisten zurück. Die Objekte wurden in der Feuerwache „Steinhof“, Wien 17, Johann Staud-Straße 75, gelagert. 1948 fanden sich fünf Gemälde im Keller einer im Krieg beschädigten Schule. Wie sie dorthin gelangt waren, konnte nie geklärt werden. Bis zum Ende des Jahres 1948 konnten 29 Gemälde, 41 Aquarelle und sieben Plastiken wiedergefunden werden. Zur Lagerung wurde auch die Feuerwache „Breitensee“, Wien 13, Spallartgasse 7, herangezogen.
In den nächsten zwei Jahrzehnten fehlten die für ein Museum geeigneten Räumlichkeiten, sodass die verschiedenen Ausstellungsstücke an den jeweiligen Lagerstätten verblieben.
Mit der Schaffung des Referates B 6 – Feuerwehrmuseum am 31. August 1965 wurden wieder Anstrengungen für die Einrichtung eines Museums unternommen. Am 10. September 1969 war es dann so weit. Bürgermeister Marek eröffnete die Museumsräume unter Teilnahme zahlreicher Abordnungen aus den Bundesländern.
Als etwa
15 Jahre später das öffentlich zugängliche Feuerwehrmuseum
einer Renovierung bedurfte wurden die Feiern zum 300-jährigen Bestehen
der Wiener Berufsfeuerwehr im Jahre 1986 zum Anlass für eine Neugestaltung
des Museums genommen. Gleichzeitig wurden viele der historischen Feuerwehrfahrzeuge
renoviert und fahrbereit gemacht. Sowohl die termingerechte Eröffnung
als auch der Festzug rund um das Wiener Rathaus und durch die Straßen
Wiens waren ein voller Erfolg.
1987 kam es zu einer Trennung der Aufgabenbereiche. Die wissenschaftliche
Leitung des Museums, das historische Archiv und die Arbeiten auf dem Gebiet
der Feuerwehrgeschichte Wiens wurden dem Wiener Landesfeuerwehrverband übertragen.
Die Administration obliegt dem Referat B 2 der Feuerwehr der Stadt Wien.
1988 wurde auf Vorschlag des Wiener Landesfeuerwehrverbandes ein neues Konzept für ein zeitgemäßes Museum erstellt. Aufgrund des Fehlens größerer finanzieller Mittel konnte das Museum seinen Besuchern erst am 24. Juni 1990 im Rahmen der Vorstellung des Buches „Wien und seine Feuerwehr, Geschichte und Gegenwart“ in neuem Glanz präsentiert werden.
In den folgenden Jahren wurden in den verschiedenen Räumen immer wieder geringfügige Veränderungen durchgeführt. Man richtete einen Videoraum ein, um speziell die Jugend über die Tätigkeit der Feuerwehr visuell unterrichten zu können. Sonderausstellungen sollen auch in Zukunft die Besucher über die Aufgaben der Wiener Berufsfeuerwehr in der Vergangenheit und der Gegenwart informieren.
Die bespannbaren und automobilen historischen Fahrzeuge befinden sich in der Hauptfeuerwache „Floridsdorf“, Wien 21, Josef Brazdovicsstraße 4. Einige Autos, darunter auch das Erste aus dem Jahre 1903, werden fachmännisch renoviert und noch heuer den Besuchern präsentiert.
Seit 6 Jahren besteht in Wien 1, Am Hof 7, das Archiv des Wiener Feuerwehrmuseums. In den fünf Räumen werden Schriftstücke, Fotos, Bilder und Dokumente gelagert und betreut. So kann über die Geschichte der 315 Jahre bestehenden Feuerwehr der Stadt Wien jederzeit Auskunft erteilt werden.
Krenn Heinrich
Kustos des Wiener Feuerwehrmuseums
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