Der kleine
Ort, zwischen Burgstall, Donau und Leopoldsberg gelegen, wurde 1892 in den
19. Wiener Gemeindebezirk eingegliedert. Die Freiwillige Feuerwehr des Dorfes
wurde vermutlich – dieser Punkt ist noch nicht restlos geklärt – 1868 gegründet.
Vom Jahr 1899 an scheint sie in den Büchern der Wiener Berufsfeuerwehr auf.
Die Gründung der Freiwilligen Feuer- und Wasserwehr Kahlenbergerdorf im Jahre
1904 ist durch ein auf offiziellem Briefpapier verfasstes Schreiben, das sich
im Archiv des Wiener Feuerwehrmuseums befindet, belegt.
In jedem Fall wurden damit sehr früh Maßnahmen getroffen, um diesen, im positiven
Sinne, ländlich wirkenden Ort am Rande Wiens zu schützen. In den Anfängen,
als der Transport der Löschgeräte noch mit Pferden erfolgte, war dies aufgrund
der Steilheit der Straßen und Wege sowie des umliegenden Geländes ein schwieriges
Unterfangen. Im Jahr 1900 konnte die Wehr auf acht Mann, eine Karrenspritze,
eine Kübel- oder Handspritze, einen Schlauchkarren zum Anhängen, zwei Leitern,
26 Druckschläuche (Hanf mit Gewinde) sowie zwei Schläuche für Kübel- oder
Handspritze zurückgreifen. 1904, unter Hauptmann Franz Pröll, erhöhte sich
der Mannschaftsstand auf 25 Personen. Darunter sind Namen zu finden, die auch
heute noch bekannt sind. An Geräten kamen eine neue Fahrspritze, zwei Hakenleitern,
zwei Rauchhauben und ein Sprungtuch hinzu. Der Schlauchbestand wurde verdoppelt.
Das Depot des “Kahlenbergerdörfls”, wie es heute noch im Volksmund genannt
wird, befand sich an der Adresse: 19., Heiligenstädter Straße 287, Ecke Hirnbrechergasse.
Es hatte zwei Ausfahrtstore und dazwischen hing ein großes Holzschild mit
dem Namen der Wehr. An dieser Stelle befand sich eine von drei Freiwilligen
Feuerwehren in Wien. Die beiden anderen hießen “Schiffmühlen Krieau” und “Rudolfshügel”.
1929 begann man nach Plänen der MA 22 vom 6. Februar 1929 (Architekt Konstantin
Peller) mit dem Bau des neuen Wachegebäudes für die Wiener Berufsfeuerwehr
in der Wigandgasse 25. Am 28. Mai 1930 konnte die neue Wache – Kurzzeichen
“Kb” – bezogen werden. Der Anlass der ersten Ausfahrt, am 30. Mai 1930, war
ein gestürztes Pferd.

Weiterhin
bereitete das steile Gelände den Löschfahrzeugen große Schwierigkeiten. Einer
der Gründe war der zu schwache Motor der Fahrzeuge. Abhilfe brachte schließlich
das 1934 gebaute Halbkettenfahrzeug Citroen Kegress CG mit 45 PS. Es bewährte
sich auf steilen Wegen und Straßen, hatte aber den Nachteil eines schwachen
Fahrgestells, was sich insofern auswirkte, als dass aus diesem Grund die Löschwassermenge
von 600 Litern in einem Anhänger (der Firma Gräf & Stift) mitgeführt werden
musste. Ein weiterer positiver Aspekt war allerdings, dass man das Halbkettenfahrzeug
für die schneereichen Winter mit einem großen Schneepflug bestücken konnte,
der unter anderem auf der am 28. September 1935 eröffneten Straßenverbindung
Krapfenwaldl-Leopoldsberg benötigt wurde. Ab 1938 war die gesamte Höhenstraße
befahrbar.
Mit dem darauf folgenden AD-Geländewagen ließen sich die Wünsche nach einem
tragfähigen Chassis bei entsprechender Steigfähigkeit und Fahrgeschwindigkeit
schon besser verwirklichen.
1937 standen in ,,Kb“ ein Löschwagen, ein Tenderpumpenwagen, ein Schanzzeugwagen,
ein Wasserwagen mit Anhänger und dazu 80 m Druckschlauch gummiert und 400
m Rohhanf zur Verfügung.
Die Besatzung bestand je Dienstgruppe – das Zweigruppensystem gab es schon
seit 1919 – aus einem Löschmeister 1. und 2. Klasse, sechs Feuerwehrmännern
1. und 2. Klasse, ein Maschinenfahrer 1. und 2. Klasse und Zugeteilte sowie
ein Telegrafenmeister 2. Klasse und Zugeteilte.
Kurz nachdem man in der Bekleidungsvorschrift unter Punkt d) noch das Signalhorn
für Gerätekommandant und “Nr. 1 an roter Schnur mit Quaste” lesen konnte,
änderte sich einiges bei der Wiener Berufsfeuerwehr. So wurde Wien ab dem
23. November 1938 nicht mehr in sieben Brandschutzsektionen eingeteilt, sondern
in vier Gruppen. Zur Gruppe West gehörte “Kahlenbergerdorf“. In “Döbling”
war für FSch.Pol. Akten ab sofort Hauptmann Dipl.-Ing. Schmolke zuständig.
Es gab 14 verschiedene Chargierungen, vom Oberst bis zum Rottwachmeister,
und entsprechend einem Schreiben vom 23. Juni 1938 war die Farbe der Feuerwehrgeräte
von “rot” auf “grün” umzulackieren. Feuermelder waren “blau” gestrichen.
Im 2. Weltkrieg, als Fahrzeuge wie LF-25 oder LF-8 zum Einsatz kamen, im “Kb”
aber auch noch die “alten” Tenderpumpen und Löschwagen standen, wurde die
Wache lediglich geringfügig beschädigt (am 7. Februar 1945). Nach Kriegsende,
in den Monaten April bis August des Jahres 1945, kehrten die nach Mauthausen
und die umliegenden Orte entsandten Fahrzeuge nach Wien zurück. Unter anderem
konnten auch von der Bezirksvertretung “Döbling” fünf Fahrzeuge sichergestellt
werden.

Gesamtstand
im Herbst 1945 in Wien: 142 Fahrzeuge, davon 72 im Dienst. Eine erste Instandsetzung
des Wachegebäudes erfolgte 1958. An Fahrzeugen standen der Wache zuerst ein
TWG Opel Blitz 3,6 mit 75 P5 (bis 1973) und ein PWG Opel Blitz mit 75 PS (beide
Bj. 1946) zur Verfügung. Es folgten die TLF, ULF, RLF. Mit der neuen Fahrzeuggeneration
stehen nun ein Berge- sowie ein Geländelöschfahrzeug (Unimog) nebst einer
Abschleppachse bereit, im Winter zudem eine Motorzille mit Anhänger.
In der Kuchelau, wo sich der Übungsplatz des Wasserdienstkurses befindet,
liegen von März bis November ein A-Boot sowie zwei Motorzillen vor Anker.
In der Statistik scheint “Kahlenbergerdorf” aufgrund seiner peripheren Lage
nicht so oft auf wie zentraler gelegene Wachen. Trotzdem hatte man dort 1966
z. B. 72 Einsätze zu verzeichnen, 100 Einsätze im Jahr 1973 und mit dem Bau
der Autobahnbrücke in Nussdorf und dem Ausbau der Straße nach Klosterneuburg
mehrten sich die technischen Einsätze. 1980 erfolgte der Umbau zur Wasserwache.
Acht Jahre später wurde eine Generalsanierung mit Ausbau des Daches in acht
Monaten durchgeführt. Jetzt entspricht die Feuerwache völlig den Anforderungen
der Zeit.
Der Gruppenwache “K” die in Kürze ihr 70jähriges Bestehen im Dienste der Stadt
Wien feiert, kann man schon jetzt alles Gute wünschen. Heinrich Krenn, Kustos
des Wiener Feuerwehrmuseums

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