- Wien
- Berge von
unten, Kirche von außen, Wirtshaus von innen: so lautete eine eherne
Regel der Wiener Feuerwehr. Doch seit kurzer Zeit ist alles anders. Wie der
Firefighter-Reporter aus gewohnt unzuverlässiger Quelle erfahren konnte,
liegt es am Feuerwehrpfarrer, dass auch dieses vertraute Weltbild ins Wanken
gerät.
Im Zuge eines Besuches des Feuerwehrpfarrers auf einer Hauptfeuerwache wurden
wie immer tiefreligiöse Gespräche geführt. Im Zuge der Unterhaltung
wurde vom Feuerwehrbeamten Bambi B. (Name von der Red. geändert) der
Vorschlag eingebracht, dass er bei einer Messe im Stephansdom singen könnte.
Dies wurde mit allgemeinem Erstaunen quittiert, da viele Kollegen nicht wussten,
dass dieser Mann in seiner Freizeit bei einem Gesangsverein singt. Seitens
Stiberl S. (Name von der Red. geändert), der auf der Wache als Zugskommandant
tätig ist, wurde darauf hin hämisch bemerkt, dass er, falls Bambi
B. tatsächlich im Stephansdom sänge, jederzeit als Ministrant zur
Verfügung stehen würde.
Keiner hatte damit gerechnet, dass der Feuerwehrpfarrer Franz Bierbaumer (Name
von der Red. nicht geändert) die Idee sofort aufgriff, um diese einmalige
religiöse Veranstaltung Wirklichkeit werden zu lassen.
Als sich abzuzeichnen begann, dass dieses Vorhaben in die Realität umgesetzt
werden könnte, zeigte Stiberl S. angeblich Nervenschwäche, da er
sich nicht zum Ministranten berufen fühlte. Er hatte seine Aussagen aber
vor zahlreichen glaubwürdigen Zeugen getätigt, es gab daher kein
Zurück. Auch sein verzweifelter Versuch, sich mit hohen Geldsummen von
dieser Verpflichtung frei zu kaufen, war zum Scheitern verurteilt. Als der
Termin näher rückte, ließen ihn die Kollegen beim Fußball
auch nicht mehr mitspielen, da die Gefahr eines Krankenstandes einfach zu
hoch erschien.
Am Freitag, den 12. April war es dann so weit. Durch entsprechende Propaganda
erschienen zahlreiche dienstfreie Feuerwehrmänner zur 12-Uhr-Messe im
Stephansdom. Manche von ihnen kannten das Gebäude aus ihrer Volksschulzeit,
in der meistens Führungen in diese Kirche organisiert werden, aber die
meisten, weil damals geschwänzt, kannten das Gebäude von innen noch
nicht.
Umso beeindruckender gestaltete sich die von Pfarrer Franz Bierbaumer moderierte
Messe, wobei als Gaststar Babi B. einen fulminanten Auftritt absolvierte.
Zum Glück wurden vorher seitens der Feuerwehrmänner Erkundigungen
bezüglich des Verhaltens in Kirchen eingeholt, da sonst frenetischer
Applaus ertönt wäre.
Auch Stiberl S. meisterte seinen Auftritt als Gastministrant souverän.
Das Vorlesen aus der Bibel bereitete ihm keinerlei Schwierigkeiten. Später
meinte er in kleinem Kreis, dass das deshalb einfach gewesen wäre, da
er ja im Dienst auch immer die Fernschreiben der Feuerwehrdirektion vorlesen
müsse und das sei fast kein Unterschied zur Bibel.

Probleme
gab es nur beim Messwein, da Stiberl S. gewohnt ist, alles auszutrinken was
er bekommt, das ist aber in der Kirche angeblich unüblich.
Im Anschluss an die gelungene Messe begaben sich alle Feuerwehrmänner
samt Pfarrer ins Schweitzerhaus, wo in vertrauterer Umgebung noch lange, tiefreligiöse
Gespräche geführt wurden.
Es drängt sich natürlich die Frage auf, welche Folgen diese neue
Tendenz für den Feuerwehrdienst hat. Kenner der Szene sehen tiefgreifende
Wesensveränderungen beim Zugskommandantenministranten (kurz: Zugsministranten):
er wirke seit dieser Messe irgendwie erlöst, geläutert, ein wenig
erleuchtet und sogar eine Spur gebenedeit. Auch dass auf der Hauptfeuerwache
"Donaustadt" jetzt beim Antreten gekniet werden muss, ist auf diesen
neuen Trend zurückzuführen. Dem Vernehmen nach wird auf dieser Wache
statt Mineral- jetzt nur noch Weihwasser getrunken. Auch der Funkverkehr wird
reformiert. So werden beispielsweise Rückmeldungen wie "Brand lokalisiert,
Hallelujah" oder "Brand aus, Amen" bald zur Tagesordnung gehören.
Von maßgeblichen Offizieren wird auch schon über einen Wechsellader
"Beichtstuhl" (WLB) nachgedacht, da diesbezüglich in allen
Sektionen ein großer Bedarf gegeben ist.
Man darf also gespannt sein, ob sich durch diese Veranstaltung an der bisher
vorherrschenden Scheinheiligkeit etwas ändert, der Firefighter wird weiter
berichten!
- A. M. -

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