Vorstellung vom Feuerwehr-Schmunzelbuch

 

 

Das Buch hat 88 Seiten und kostet 11.- Euro inkl. Versandkosten.
Zur Einstimmung gibt es zwei Geschichten als Leseprobe.

Rettung einer Taube


Bekanntlich ist die Wiener Berufsfeuerwehr nicht nur für die Rettung von Menschenleben, sondern auch für die Rettung von Tieren aus Zwangslagen zuständig. Diese Verpflichtung ergibt sich aus dem Feuerwehrgesetz und gilt für jede Tierart. Egal ob ein Pferd gestürzt, ein Schwan am Eis festgefroren oder ein Papagei entflogen ist: die Feuerwehr macht´s wieder gut, oder probiert es zumindestens. Leider sind diese Bemühungen nicht immer von Erfolg gekrönt:
Eines Tages hatte eine aufmerksame ältere Dame bemerkt, daß sich eine arme Taube mit einem Stück Drachenflugschnur am Fuß an der Regenrinne über dem sechsten Stock eines Wohnhauses verhängt hatte. Da baumelte die bedauernswerte Taube also an einem Stück Schnur von der Dachrinne und flatterte in hilfloser Panik. Selbstverständlich alarmierte die Dame geistesgegenwärtig die Feuerwehr, worauf sofort ein Löschfahrzeug mit sechs Mann Besatzung geschickt wurde. Der Gruppenkommandant, der diesen Einsatz leitete, mußte aber feststellen, daß sämtliche mitgebrachten Leitern zu kurz waren, um zur Dachrinne im sechsten Stock zu gelangen. Pflichtbewußt griff er daher zu seinem Handfunkgerät, um eine dreißig Meter lange Drehleiter anzufordern.
Es darf nicht unerwähnt bleiben, daß sich die ganze Sache an einer sehr belebten Kreuzung im innerstädtischen Bereich in der Mittagszeit abspielte. Dadurch hatten viele Personen Pause und die Zahl der interessierten Zuschauer wuchs mit jeder Minute kontinuierlich an. Schließlich bekommt man ja nicht jeden Tag die Gelegenheit, einem dramatischen Tierrettungseinsatz der Wiener Berufsfeuerwehr in der Mittagspause live beizuwohnen! So sammelten sich an die hundert Zuseher, welche ihrerseits die einzuschlagende Taktik eifrig diskutierten und nicht mit guten Ratschlägen an die Feuerwehrmänner sparten.
Endlich traf die nachalarmierte Drehleiter an der Einsatzstelle ein, doch leider mußte festgestellt werden, daß viel zu wenig Platz zum Aufstellen vorhanden war. Da dieses Fahrzeug Abstützungen ausfährt, welche über drei Meter Breite benötigen, mußten wohl oder übel einige geparkte Autos entfernt werden. So wurde also unter allgemeinem zustimmenden Gemurmel im Publikum ein Auto nach dem anderen mit dem Wagenheber auf Transportroller gehoben und zu einem anderen Parkplatz verschoben. Wie Sie sich vielleicht vorstellen können, ist es im innerstädtischen Bereich von Wien nicht so einfach, freie Parkplätze zu finden. Deshalb nahmen diese vorbereitenden Maßnahmen relativ viel Zeit in Anspruch. Zeit, in der sich immer mehr Zuseher bei den mit blitzenden Blaulichtern versehenen Feuerwehrfahrzeugen einfanden. Inzwischen waren insgesamt acht Feuerwehrbeamte, vier Polizisten für die erforderliche Verkehrsregelung und ungefähr zweihundert Zuschauer an der Einsatzstelle anwesend.
Endlich waren die geparkten Autos entfernt, und die Drehleiter konnte in Stellung gebracht werden. Ein besonders beherzter Feuerwehrmann kletterte auf der Leiter bis in den sechsten Stock und nahm die Taube vorsichtig in eine Hand. Mit der Anderen zückte er sein Taschenmesser und schnitt die Schnur, an welcher die Taube bis dahin hilflos gezappelt hatte, unter dem tosenden Beifall der Menschenmenge ab und befreite sie so aus ihrer mißlichen Lage.
Ab diesem Moment nahm jedoch das Unheil seinen gnadenlosen Lauf. Wie man gleich sehen kann, ist die Grenze zwischen umjubeltem Heldentum und schmählichem Versagen verdammt schmal:
Der Feuerwehrmann stand also auf dieser Leiter in der Höhe des sechsten Stockwerkes und hielt die gerettete Taube in seiner Hand. Beruhigend sprach er auf das Tier ein und warf es nach einigen aufmunternden Worten in die Luft, um der armen Taube einen problemlosen Start in die neugewonnenen Freiheit zu ermöglichen. Leider hatte der Kollege nicht bedacht, daß der Vogel vom vielen Flattern, während er zuvor an der Regenrinne gehangen hatte, bereits total erschöpft war. Deshalb öffnete die Taube auch nicht mehr ihre Flügel und fiel wie ein Stein aus dem sechsten Stock auf die Straße. Eine Woge der Empörung und Entrüstung ging durch die Menschenmassen, welche die Sache beobachtet hatten.
Leider war das aber noch nicht der letzte Akt dieses unbeschreiblichen Dramas. Die Taube hätte nämlich diesen Absturz aufgrund ihres relativ geringen Eigengewichtes unter Umständen überlebt, doch da kam ein Taxi mit quietschenden Reifen um die Ecke und fuhr - quatsch - über die benommene Taube, die dann als solche nicht mehr zu erkennen war.
Die Feuerwehrkollegen hatten es dann plötzlich sehr eilig, wieder auf die Feuerwache einzurücken, da berechtigter Anlaß zur Sorge bestand, von der aufgebrachten Menge gelyncht zu werden.
Es war das einer der ganz seltenen Einsätze der Feuerwehr, bei denen schneller eingerückt als ausgefahren wurde, normalerweise ist das umgekehrt.

 

Blinde und Irrsinnige


Wenn Sie dieses Buch bis hierher aufmerksam gelesen haben, wissen Sie bereits, worum es bei der Einsatzart „Irrsinnige Person“ geht. Wenn nicht, müssen Sie sich zur Strafe ein weiteres Buch kaufen, dafür erkläre ich es jetzt noch einmal: Man versucht, potentielle Selbstmörder von ihrem Vorhaben abzuhalten, was nicht immer ganz einfach ist.
So begab es sich, daß die Löschkräfte zu einer Wohnung im fünften Stock eines Gemeindebaus gerufen wurden, wo kurz zuvor der Wohnungsinhaber randaliert und mit einem Sprung aus dem Fenster gedroht hatte.
Beim Eintreffen war es in der Wohnung ruhig; die Nachbarn vermeldeten, daß der Wohnungsbesitzer blind sei. Da sich der Mann noch in der Wohnung aufhalten mußte, trat der Offizier vor und klopfte mit folgenden Worten an die Türe: „Aufmachen, hier ist die Feuerwehr, wir brechen sonst die Tür auf!“
In weiterer Folge öffnete der Blinde von innen das Guckloch der Wohnungstüre, um zu sehen, ob diese Angaben der Wahrheit entsprachen, aber da er ja blind war, konnte er das nicht erkennen und glaubte es auch nicht.
„Schleich´ Di, Du Wixer!“ rief er durch die geschlossene Türe dem Einsatzleiter zu, was bei der ersten Löschgruppe, die im Stiegenhaus hinter ihm stand, für Heiterkeitsstürme sorgte. Ruhig und gefaßt drehte sich der Offizier zu seiner lachenden Mannschaft um und erklärte ernst: „Meine Herren, ich habe genau gehört, wer jetzt gelacht hat, das wird sich bei den nächsten Dienstbeschreibungen auswirken.“
Nach diesen Worten versuchten alle, ernst zu bleiben und der Einsatzleiter drehte sich wieder zur Türe. Da er jetzt schon etwas ungeduldig war, pumperte er mit dem Stiefel gegen die Türe: „Jetzt machen Sie endlich auf, wir brechen sonst wirklich auf!“
Wieder öffnete der Blinde von innen das Guckloch der versperrten Türe, und noch immer konnte er nicht erkennen, wer davor stand: „I hob´ Da doch gsogt, Du soist Di schleich´n, Du klaanes Oaschloch!“
Daraufhin bemerkte ein weiter hinten stehender Feuerwehrmann trocken: „Der is jo goa net blind!“
Da diese Aussage für grenzenlose Erheiterung der ganzen Gruppe sorgte, drehte sich der Offizier wieder von der Wohnungstüre weg und genau so, wie er zuvor mit dem Stiefel gegen die Türe geklopft hatte, trat er jetzt gegen seine Kollegen, welche sich vor Lachen auf dem Boden wälzten.
Während der von lautem Lachen, aber auch Wehschreien begleiteten Mitarbeiterzüchtigung und dem damit verbundenem Durcheinander wäre es fast niemandem aufgefallen, daß der Selbstmordgefährdete aus Neugierde von selbst seine Wohnungstüre öffnete, um zu fragen, was das für Verrückte am Gang seien.

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