Österreichische Staatsmeisterschaft, Sprint:
Jubel und Trauer

Es war mein 23. Österreichischer Meistertitel und mein Letzter, dessen war ich mir an jenem Abend des 13. Oktober bewusst, als ich das Meistertrikot für den Staatsmeister im Sprint im Ferry Dusika Stadion übergezogen bekam.


Der Staatsmeister 2001 im Sprint der Amateure und Profis

Am ersten Tag des Wettkampfes stand die 200m Qualifikation am Programm.
Das heißt: 3 Runden auf der 250m Bahn, wobei die letzten 200m gestoppt werden. Ich fühlte mich schon beim Warm fahren nicht gut, kränkelte die letzten 2 Wochen vor dem Wettkampf, nahm Antibiotika, was gerade nicht zur Leistungssteigerung beitrug. Aber es gab für mich nur diese eine Chance und das wusste ich. Es wurde nur die zweitschnellste Zeit, flotter war mein Klubkollege Roland Garber, der immerhin gerade von den Bahn-Weltmeisterschaften kam, wo er mit Franz Stocher den 7.Platz erreicht hatte. Bei den Olympischen Spielen in Sydney war er 5. geworden, also ein starker Gegner. Aber ich war qualifiziert und am nächsten Tag hieß es für vier von uns: Mann gegen Mann.
Der erste Lauf gegen Wolfgang Kotzmann war kein Problem für mich, auch nicht der gegen Willinger, aber nun stand ich mit Roland Garber auf der Bahn. Der alles entscheidende Lauf, ein Fehler und die ganze jahrelange Vorbereitung war umsonst.
Die Losung entschied, ich musste die erste Runde führen - nicht unbedingt ein Vorteil, da man seinen Gegner von der hinteren Position viel besser kontrollieren kann. Ich führte also die erste Runde an, zu meiner Überraschung übernahm Garber dann freiwillig die Führung und ich ließ einen relativ großen Abstand von ca. 5m zu ihm. Er dachte bei seinem darauffolgenden plötzlichen Antritt , dass ich durch diese Taktik auf keinen Fall mehr an ihm vorbei könnte, aber Dank meines starken Antrittes war ich sofort an seinem Hinterrad und überholte ihn schließlich in der Zielkurve.
Es war geschafft!


Ein Teil der Vorbereitung: 530 kg (10x)

Meine Freude war aber etwas später auch von dem Gefühl der Wehmut überschattet... So sehr hatte ich diesen Tag herbeigesehnt, es war eine schon zu lange und verdammt harte Vorbereitung für mich gewesen. Aber das Ziel, es allen (auch mir) noch einmal zu zeigen - selbst nach meinem schweren Unfall vor zwei Jahren - machten mich stark. Der letzte Wettkampf ist für einen Sportler sicher auch einer der schwersten Momente in seiner Laufbahn. Jetzt muss ich lernen, mir neue Aufgaben zu stellen.
Dem Sport selbst werde ich natürlich treu bleiben, ein Leben ohne sportliche Betätigung ist für mich nicht vorstellbar. Wettkämpfe werde ich allerdings nicht mehr fahren - zur Sicherheit habe ich mein Bahnrad am selben Abend noch verkauft.

Um nicht doch noch einmal in die Versuchung zu kommen...


OFM Reinhard Hübel "SP"

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