Anlagentechnischer Brandschutz
(Brandmeldeanlagen,
Sprinkleranlagen, Brandfallsteuerungen)
OBR Dipl. Ing. Wolfgang Steinkellner
Der Wunsch nach immer großzügigeren baulichen Gestaltungsmöglichkeiten einerseits - hier nur einige Stichworte: Großkaufhäuser, Veranstaltungs- und Vergnügungsstätten, Hochhäuser - und das allgemein gestiegene Sicherheitsbewußtsein andererseits haben zu neuen Dimensionen im Vorbeugenden Brandschutz geführt. Die vorwiegend durch bauliche Maßnahmen erreichte Begrenzung des Gefahrenpotentials auf kleinere Bereiche hat integrierten Brandschutzmaßnahmen Platz gemacht. Unterstützt durch mathematisch-physikalische Untersuchungsergebnisse zu Brandverlauf und thermodynamischen sowie strömungstechnischen Abläufen haben neue Erkenntnisse und Methoden in den Vorbeugenden Brandschutz Eingang gefunden. Stichworte wie ,,Design-Fire” oder ,,Fire-Engineering” sind innerhalb der Branche bereits zu mehr oder weniger gängigen Begriffen geworden.
Eine wesentliche
Rolle spielt die automatische Brandfrüherkennung. Durch die stetige Verfeinerung
der Detektionsmethoden und die Perfektionierung der Auswertelogistik der gemessenen
physikalischen Größen sind diese Anlagen in den letzten Jahren wesentlich
zuverlässiger geworden. Dies hat sowohl das Vertrauen der Vorbeugenden Brandschützer
in diese Maßnahmen gestärkt als auch die Akzeptanz der Anlagen bei den Feuerwehren
erhöht.
Als eine weitere wesentliche Maßnahme zur Kompensation von baulichen Brandschutzvorkehrungen
kommen immer häufiger automatische Löschanlagen, und hier vor allem Sprinkleranlagen,
zum Einsatz. Diese Anlagen sind bei fachgerechter Auslegung und Ausführung
in der Lage, Entstehungsbrände zuverlässig zu löschen oder zumindest bis zum
Eintreffen der Feuerwehr unter Kontrolle zu halten und so die Ausweitung zu
einem Großbrand trotz fehlender Brandabschnittsbildung zu verhindern.
Obwohl oder vielleicht gerade weil Brandmeldeanlagen und Sprinkleranlagen
als Einrichtungen des Vorbeugenden Brandschutzes unterschiedliche Zielsetzungen
und Lösungsansätze zugrunde liegen, werden sie häufig nebeneinander eingesetzt
und stellen hinsichtlich der Verhinderung von Großbränden eine gewisse gegenseitige
Redundanz dar. Dient allerdings eine Brandmeldeanlage bereits primär dem Personenschutz,
so ist dies bei Sprinkleranlagen nur insofern ein Aspekt, als die Gefahr für
in anderen Gebäudeteilen befindliche Personen (insbesondere in höheren Geschoßen
à Hochhäuser!) durch Eingrenzen des Brandes minimiert wird.
Zielsetzung und Möglichkeiten im Vergleich: Eine automatische Brandmeldeanlage soll einen Brand im Frühstadium (meist noch ohne besondere Wärmeentwicklung) erkennen und an eine ständig besetzte Stelle, vorzugsweise an eine Feuerwehr, weiter melden. Gleichzeitig sollen geschulte Personen im Objekt verständigt werden, welche sowohl erste Löschhilfe leisten, als auch Evakuierungsmaßnahmen einleiten. Parallel dazu können über Brandmeldeanlagen technische Steuerungen vorgenommen werden, welche dazu dienen, einerseits eine Ausbreitung von Feuer und Rauch zu begrenzen indem offene Brand- und Rauchabschlüsse zugesteuert werden (dies setzt allerdings das Vorhandensein derartiger Abschlüsse voraus), andererseits Maßnahmen eingeleitet werden, die dem unmittelbaren Schutz der Personen in diesem Bereich gelten. Darunter fallen Brandfallsteuerungen wie Brandrauchentlüftungen und Brandrauchabsaugungen, Aufzugssteuerungen, Türentriegelungen sowie ganze Fluchtleitsysteme.
Sprinkleranlagen sind so konzipiert, daß sie in der Lage sind, einen Brand ab Erreichen einer bestimmten, zur thermischen Auslösung erforderlichen Größe automatisch zu löschen oder zumindest so weit unter Kontrolle zu halten, daß eine gleichzeitig verständigte Feuerwehr diesen problemlos löschen kann. Aufgrund der Auslösecharakteristik sind Sprinkleranlagen für den Schutz der Personen in der näheren Umgebung nur eingeschränkt geeignet, da bis zur Auslösung einer derartigen Einrichtung bereits eine erhebliche, unter Umständen akut personengefährdende Rauchentwicklung aufgetreten sein kann. Durch das Kleinhalten eines Brandes auch ohne entsprechende Brandabschnittsbildung ist allerdings mittels Sprinkleranlage eine deutliche Verbesserung des Personenschutzes, vorwiegend für jene Menschen in entfernteren (höheren) Gebäudeteilen, gegeben.
Das Risikospektrum
bei Großbauten erfordert in vielen Fällen den Einsatz beider Maßnahmen. Sie
decken verschiedene Risiken ab und zum anderen läßt sich der Sicherheitsfaktor
in bestimmten Bereichen durch den Schutzwert beider Einrichtungen in Kombination
erhöhen. Wesentlich ist aber in jedem Falle die fachgerechte Planung und Ausführung
dieser Anlagen. Um das Zusammenwirken der unterschiedlichen Brandschutzmaßnahmen
abzustimmen, ist ein hohes Maß an brandschutztechnischem Fachwissen erforderlich.
Dies setzt Erfahrung sowohl im vorbeugenden als auch im abwehrenden Brandschutz,
als auch entsprechendes theoretisches Wissen im Bereich der Brandlehre, der
Thermodynamik, der Strömungslehre und der Bauphysik voraus. Wie im Gebiet
der Gebäudestatik ist es demnach auch hier erforderlich, die Planung und Auslegung
solcher Anlagen und Einrichtungen von Fachleuten mit entsprechend nachgewiesener
Kompetenz begutachten und prüfen zu lassen.
Mit einer einmaligen Überprüfung dieser Einrichtungen ist es aber nicht getan:
sie müssen zusätzlich entsprechend gewartet und instand gehalten werden, um
wirklich über die Jahre ihre Funktion bestimmungsgemäß erfüllen zu können.
Dazu sind wiederum nur kompetente Fachfirmen in der Lage. Diesbezügliche Sparmaßnahmen
haben leider schon des öfteren böse Konsequenzen gehabt. Auch eine wiederholte
Begutachtung der Anlagen durch Brandschutzsachverständige ist unerläßlich,
damit sicher gestellt ist, daß diese auch allfälligen baulichen und betrieblichen
(nutzungstechnischen) Änderungen - solche gibt es immer - angepaßt werden.
Abschließend sei festgestellt: ein moderner Brandschutz ist ohne die beschriebene Einrichtungen nicht mehr denkbar, es ist jedoch unbedingt erforderlich, diese Anlagen als Teil des gesamten Brandschutzkonzepts zu sehen, ihre Vorteile und Nachteile, Stärken und Schwächen zu kennen und richtig einzuschätzen sowie Planung, Ausführung und Instandhaltung mit entsprechender Fachkompetenz zu überwachen.