Tägliches Verkehrschaos auf Stadtautobahnen:

Unfälle - Pannen - Staus - Bergen - Abschleppen - Feuerwehreinsätze BR Ing. Alfred Dorfmeister

Bedingt durch den immer stärker werdenden Verkehr auf den Hauptverkehrswegen in Wien kommt es durch Unfälle und Pannen sehr häufig und sehr rasch zu ausgedehnten Staus. Es wurden daher in den vergangenen Jahren zahlreiche Maßnahmen getroffen um einerseits Unfälle zu verhindern - z.B. LKW-Fahrverbot auf den linken Fahrspuren der Stadtautobahnen und gleichzeitig Herabsetzung der erlaubten Höchstgeschwindigkeit auf 60 km/h für LKW - und andererseits Verbesserungen bei Einsätzen der Feuerwehr der Stadt Wien, deren Ziel u. a. das rasche Freimachen von Verkehrsflächen ist. Es wurden sowohl organisatorische, logistische als auch technische Verbesserungen geplant und zum Teil bereits umgesetzt. Das Entfernen von Verkehrshindernissen als auch die Möglichkeiten beim Bergen verunfallter Fahrzeuge wurde feuerwehrintern in folgenden Bereichen verbessert: Fahrzeug- und Gerätestationierung, Spezialfahrzeuge, Motorradstaffel, Überarbeitung der Führungsmittel, Ausrüstungs-verbesserungen.

Fahrzeug- und Gerätestationierung

Die Anzahl der Wachen mit Abschleppachsen wurde erhöht und die Stationierung entlang der Stadtautobahnen entsprechend abgestimmt, sodass nun in folgenden Wachen (von Süden nach Norden) Abschleppachsen zur Verfügung stehen: „LG“, „R“, „LS“, „L“, „Do“, „FL“ (Res.), „AS“, „SD“, „K“. „KM“ (Kaisermühlen ab 2001) als Autobahnwache an der A22 wird ebenfalls mit einer Abschleppachse ausgestattet.

Das Abschleppfahrzeug für PKW (ASF) mit Ladekran, Rampe mit Winde und Abschleppbrille verbleibt als Abschlepp- und Transportfahrzeug für spezielle Abschlepp-einsätze und für den Abtransport verunfallter Fahrzeuge für ganz Wien an zentraler Stelle. (Gleichzeitig wird dieses Fahrzeug auch für Tierrettungseinsätze mit Tierrettungsplattform bereitgehalten.)

Die nachstehend angeführten Spezialfahrzeuge werden nur in autobahnnahen Feuerwachen stationiert.

Spezialfahrzeuge

Bereits 1998 wurde in der Zugswache „LS“ ein Abschleppfahrzeug für LKW einer Abschleppfirma leihweise zur Verwendung durch die MA68 in Dienst gestellt. Das Fahrzeug kann allerdings bei Eigenbedarf durch die Firma jederzeit abgezogen werden und steht uns somit nicht ständig zur Verfügung. Parallel dazu wurde daher mit der Konzeption eines eigenen derartigen Abschlepp- und Bergefahrzeuges begonnen, die Planung, Beschaffung, Lieferung des Fahrzeuges sowie die Ausbildung der Besatzung Landstraße konnte im heurigen Jahr abgeschlossen werden. Das neue Abschleppfahrzeug für LKW (ASL) wird demnächst in Dienst gestellt, eine genauere Beschreibung dieses Fahrzeuges findet sich am Ende dieses Artikels.

Neues Teleskopkranfahrzeug 70 to (TKF): Als Ergänzung zu den 3 KRF 30 to in „H“, „Fl“ und derzeit noch „LS“ (dieses wird Reserve-KRF) wurde für das Heben größerer Lasten (bis 70 to technisch möglich, mit der derzeitigen Ballastierung bis 46 to limitiert), für Arbeiten mit größerer Ausladung (bei 34 m bis 1 to Hubkraft) bzw. für Arbeiten mit großer Hubhöhe (Teleskopauslegerlänge 10,6 - 40 m) ein neues Teleskopkranfahrzeug beschafft. Dieses wird in der Zugswache „LS“ stationiert, die Einschulung erfolgte im Herbst dieses Jahres, erstmals haben im Sinne des neuen Bedienstetenschutzgesetzes insgesamt 10 (5 je Dienstgruppe) Kranfahrer eine externe Ausbildung zum Kranfahrer positiv absolviert.

Neues PKW-Abschleppfahrzeug: Zur Zeit wird ein weiteres PKW-Abschleppfahrzeug beschafft, welches ebenfalls über einen Ladekran, eine Seilwinde, eine Laderampe und eine Abschleppbrille verfügen wird. Dabei wurde insbesondere auf die Leistungsfähigkeit des Ladekranes bedacht genommen, es wird dies ein 18 mt Kran mit einer max. Ausladung von rund 11 m sein.
Die Stationierung ist in der Feuerwache „Rudolfshügel“ vorgesehen.

Überarbeitung der Führungsmittel

Gemeinsam mit den einzelnen Brandschutzsektionen wurden alle Stadtautobahnteilstücke samt ihren Zufahrten, Rampen, Einbauten, Wasserversorgung, Umgebung, etc. neu erfasst. Im Zuge dessen wurden auch die jeweiligen nächstgelegenen Wachen hinsichtlich Alarmierungsreihenfolge überprüft, sodass die kürzesten Anfahrzeiten gewährleistet werden können. Es wurden spezielle Autobahnpläne mit allen erforderlichen Informationen erstellt, somit sind bereits für die Alarmierung für die Anfahrt als auch für die Einsatzdurchführung die bestmöglichen Führungsmittel vorhanden.

Ausrüstungsverbesserungen

Die Indienststellung neuer Spezialfahrzeuge als auch die technische Weiterentwicklung erfordert natürlich auch die Überarbeitung der für Abschlepp- und Bergeeinsätze notwendigen Ausrüstung.
Abgesehen von der Spezialausrüstung der Abschleppfahrzeuge und des neuen Teleskopkranfahrzeuges, welche natürlich auch auf feuerwehrspezifische Bedürfnisse abgestimmt werden musste, ergab sich die Notwendigkeit speziell für Kraneinsätze einen Kranbegleit-Wechselaufbau (WKB) mit verschiedensten Anschlagmitteln, Unterlagsmaterial usw. zu konzipieren. In weiterer Folge haben diese Ausrüstungsänderungen auch Auswirkungen auf die anderen technischen Wechselaufbauten wie WA-Schwerwerkzeug und WA-Hebebalken. Zur Überarbeitung und Neugestaltung der WSW-Serie wurde eine eigene Arbeitsgruppe eingesetzt. Zur Zeit arbeiten Vertreter aller notwendigen Referate aus Feuerwehrtechnik und -taktik an diesem Projekt welches im kommenden Jahr umgesetzt werden soll.
Durch die Indienststellung des neuen ASL wird auch das Einsatzspektrum des WAG mit dem LKW-Abschleppgerät (dieses wurde in den 80er Jahren entwickelt, damals gab es am Markt praktisch keine LKW-Abschleppfahrzeuge) auf die Beförderung der LKW-Transportroller reduziert. Auch dies fließt in die Überlegungen bei der Neugestaltung WSW und WKB ein.
Es werden laufend neue technische Produkte für den technischen Feuerwehreinsatz bzw. auf deren „Feuerwehrtauglichkeit“ getestet. Zur Zeit ist die Erprobung neuer LKW-Transportroller vorgesehen. Es werden allerdings nur dann neue Produkte angekauft, wenn sie außerordentliche Verbesserungen aufweisen, da ja jede Änderung meist auch betreffend Ausbildung, Schulung, Wartung, Instandhaltung, Lagerung etc. zusätzlichen Aufwand erfordert und das ist jeweils genauest abzuwägen.

Abschlepp- und Bergefahrzeug für LKW (ASL)

Mit dem neuen Abschleppfahrzeug für LKW (ASL), welches in der Zugswache Landstraße stationiert wird, werden Einsätze wie Bergen und Abschleppen fahruntüchtiger LKW wesentlich verbessert und vereinfacht und gleichzeitig ist eine Erweiterung der Einsatzmöglichkeiten gegeben. Insbesondere im Tunnelbereich oder unter Brücken und Unterführungen können mit dem neuen ASL Bergungen, Aufrichten umgestürzter Fahrzeuge etc. durchgeführt werden.
Im folgenden eine kurze Übersicht über Einsatzmöglichkeiten und eine technische Kurzbeschreibung: Fahrgestell Scania R144 GB 8x4 NZ 530 Radstand 4300mm, 390kW/530PS/1900Upm
Abgasturbo mit Ladeluftkühlung, Allison Automatikgetriebe HD 4560 PR mit zuschaltbarem Nebenabtrieb für Hydraulikpumpe, Gesamtgewicht 32 to, LxBxH 9,95x2,55x3,6m.
Aufbau: Teleskoparm bis 9 m ausfahrbar, 22-40 to Hubkraft über zwei Hydraulikseilwinden.
Unterfahrlift zum Heben und Abschleppen von Fahrzeugen an Rädern, Achsen oder Federn mit einer Hubkraft eingefahren bis 26,5 to und ausgefahren (- 4,6 m) bis 8,5 to, wobei eine Gesamtanhängelast von bis zu 40 to zulässig ist. Ein Vielzahl Adapter. Achsaufnahmen, Rahmengabeln, Hubgabeln, Radaufnahmen, Busaufnahmen etc. ermöglicht die Aufnahme verschiedenster LKW oder Busse. Alle Steuerungen erfolgen über eine Funkfernsteuerung.
Im Heck des ASL befinden sich zur Stabilisierung des Fahrzeuges beim Bergen bzw. beim Arbeiten mit den Winden zwei senkrechte Hydraulikabstützungen. Weiters sind Bergeösen, Umlenkrolle für Windenbetrieb, Kabeltrommel und Luftschlauchtrommel für Fahrzeugversorgung sowie Aufnahmen zum Abschleppen von Sattelauflegern einer Einrichtung mit abnehmbarer Abschleppkupplung zum Schleppen im direkten Zug oder für Anhänger und eine Abschleppstange vorhanden.
Das Fahrzeugheck kann über eine Videokamera und einen Monitor im Führerhaus während eines Rüst- oder Schleppvorganges überwacht werden.

Schlussbemerkung

Mit den angeführten Maßnahmen hoffen wir, die immer häufiger auftretenden Staus nach Unfällen und Gebrechen entsprechend verringern zu können. Dabei halten wir uns ständig vor Augen, dass Verkehrsstaus größeren Umfanges einerseits wieder Unfallgefahren und andererseits enorme volkswirtschaftliche Kosten bedeuten.

Abschlepp- und Bergefahrzeug für LKW (ASL)