Firefighter im Gespräch mit Branddirektor Dipl. Ing. Dr. Perner
Firefighter: Herr Branddirektor,
wie beurteilen sie die derzeitige bauliche Situation bei den Feuerwachen?
Dr. Perner: Zunächst muss festgestellt werden, dass der Zustand der Wachegebäude
in den letzten Jahren im Rahmen der finanziellen Möglichkeiten kontinuierlich
verbessert wurde. Es ist klar, dass die Räumlichkeiten in den neueren
Wachen schöner sind als in den noch nicht renovierten Altbauten. Trotzdem
muss betont werden, dass die Unterbringung des Einsatzpersonales bei der Wiener
Feuerwehr insgesamt sehr gut gelöst ist. Gerade im internationalen Vergleich
sind unsere Wachen samt deren Einrichtungen als vorbildlich zu bezeichnen.
Ich habe mir kürzlich in New York persönlich ein Bild von der Unterbringung
der Firefighter machen können, für unsere Verhältnisse wäre
das unter jeder Kritik.
Firefighter: Das kann ich bestätigen, ich habe vor kurzem einigen ungarischen
Feuerwehroffizieren eine Wiener Feuerwache gezeigt und den Eindruck gewonnen,
dass die gar nicht mehr heimfahren wollten. Aber abgesehen von der Ausstattung,
sind die Feuerwachen auch örtlich optimal platziert?
Dr. Perner: Es ist leider technisch nicht möglich, dass jede Feuerwache
geografisch optimal liegt. Der diesbezügliche Rahmen der Möglichkeiten
ist schon allein durch die Verfügbarkeit entsprechender Grundstücke
stark eingeengt. Dazu kommt noch, dass sich das Stadtbild durch rege Bautätigkeit
laufend verändert. Jede Feuerwehr ist natürlich gefordert, auf derartige
Veränderungen zu reagieren, wie es in Wien beispielsweise mit der Errichtung
der neuen Feuerwache "Kaisermühlen" als Konsequenz auf die
zahlreichen Hochhäuser in diesem Bereich der Fall war. Die Verteilung
der Feuerwachen auf das Wiener Stadtgebiet und die Erreichbarkeit jeder möglichen
Einsatzstelle innerhalb eines akzeptablen Zeitraumes ist jedenfalls gegeben.
Es ist natürlich unbestritten, dass Verbesserungen in allen Belangen
möglich sind. Insgesamt kann aber festgestellt werden, dass die derzeitige
bauliche Gesamtsituation bei der Wiener Feuerwehr eine durchaus solide Basis
für künftige
Weiterentwicklungen darstellt.
Firefighter: Herr Branddirektor, unsere Leser sind an den Plänen für
die weiteren Bauvorhaben bei der Feuerwehr interessiert.
Dr. Perner: Die derzeit laufende Sanierung der Hauptfeuerwache "Hernals"
wird heuer im Herbst beendet, auch "Am Spitz" wurde soeben fertiggestellt.
Ab Herbst folgen die Generalsanierungen der Wachen "Döbling"
und "Neubau", die Finanzierung dieser Projekte ist gesichert, hier
sollte es keine Probleme geben. Im kommenden Jahr soll begonnen werden, die
Hauptfeuerwache "Leopoldstadt" großzügig auszubauen.
In Zukunft sollen auf dieser Wache Kleiderkammer, Planbüro und das Feuerwehrmuseum
Platz finden. Ab 2004 beginnt die etappenweise Generalsanierung der Zentralfeuerwache.
Zunächst wird unter dem Haus 7 eine Tiefgarage geschaffen. Dadurch besteht
die Möglichkeit einer weiteren Feuerwehrausfahrt in den Tiefen Graben,
die von den Fahrzeugen der zweiten Welle genutzt werden soll. Im Jahr 2005
wird das Haus 9 generalsaniert, ebenso das Haus 10 zwei Jahre später.
Die Gesamtsanierung der Zentralfeuerwache wird somit fünf Jahre in Anspruch
nehmen.
Firefighter: Gibt es noch weiteren baulichen Handlungsbedarf?
Dr. Perner: Selbstverständlich gibt es den! In den Jahren 2005 bis 2006
sollen die Feuerwachen "Landstraße" und "Liesing"
ausgebaut und vergrößert werden, um entsprechende Übungsflächen
zu schaffen. Anschließend soll die Hauptfeuerwache "Donaustadt"
zu einem Schadstoffausbildungszenrum ausgebaut werden, dazu ist ein Grundzukauf
von ca. 3000 m2 geplant.
Firefighter: Das sind sehr beachtliche Pläne, ich bin aber bezüglich
der Zeitvorgaben eher skeptisch.
Dr. Perner: Es ist wie beim Sport: wenn man sich keine ehrgeizigen Ziele setzt,
wird man im Endeffekt auch keinen Erfolg haben!
Firefighter: Herr Branddirektor, wir danken für das Gespräch!
Das Interview mit Dr. Perner führte Alexander Markl.
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