Schlachtfeld Straße
Die Rettung von Unfallopfern bei Straßenverkehrsunfällen

Die Versorgung und die Rettung von Unfallopfern gilt als gemeinsame Aufgabe der Rettungsdienste und der Feuerwehren. Durch die Anwesenheit der beiden Organisationen am Ort des Geschehens ist gewährleistet, dass Maßnahmen der notärztlichen Versorgung sowie der Befreiung und des Transportes von Verletzten entsprechend der jeweiligen Begebenheiten aufeinander abgestimmt und Prioritäten in der Vorgehensweise festgelegt werden können.
Welches Verhalten ist jedoch notwendig, sollte eine Löschgruppe alleine an der Unfallstelle eintreffen und weder ein Arzt, ein Sanitäter noch die Polizei oder andere Verkehrsteilnehmer anwesend sein? In den Randbereichen Wiens, beispielsweise in der Amundsenstraße oder der Exelbergstraße, ist dieses Szenario – speziell in der Zeit zwischen 2 und 5 Uhr – durchaus vorstellbar.
Angenommen ein vollbesetzter Pkw kollidiert mit einem entgegenkommenden Pkw – Ausgangssituation: 4 Schwerverletzte, davon 2 Personen eingeklemmt. Um welche Person hat man sich zuerst zu kümmern?

Grundsatz 1 – Gefahren beseitigen und Einsatzstelle absichern

Eine Unfallsituation – wie die oben beschriebene – kann sicherlich auch für den professionellen Helfer psychisch sehr belastend sein. Trotzdem ruhig und klar zu überlegen, ist in solch einer Lage von großer Wichtigkeit,. Dies bedeutet einerseits, Gefahren zu erkennen und zu beseitigen und andererseits die Einsatzstelle abzusichern.
Während diese Aufgaben von ein oder zwei Personen durchgeführt werden, obliegt dem Einsatzleiter die weitere Erkundung.

Grundsatz 2 - Personen mit lebensbedrohenden Verletzungen ist vorrangig „Erste Hilfe“ zu leisten

Dabei gilt allgemein, dass jene Personen sofortige Hilfe benötigen, die lebensgefährliche Verletzungen erlitten haben. Das müssen nicht unbedingt die Eingeklemmten sein. Diese Personen sind vorrangig zu betreuen und es sind lebensrettende Sofortmaßnahmen (Maßnahmen im Rahmen der „Ersten Hilfe“) durchzuführen. Der Ersterkundene muss eine Prioritätenreihung bei den Verletzten erstellen. In unserem Beispiel ist demzufolge der Schwerstverletzte mitunter jedoch nicht Eingeklemmte mit Priorität 1 und der nur Eingeklemmte ohne wesentliche erkennbare Verletzungen mit Priorität 4 zu belegen. Es ist daher vorrangig bei der Betreuung mit Priorität 1 zu beginnen, auch wenn das Befreien von eingeklemmten Personen normalerweise die primäre Aufgabe darstellt. . Bei vier Verletzten müßte es daher möglich sein, daß mit Eintreffen einer Löschgruppe mit sechs Feuerwehrmännern nach dem Absichern der Einsatzstelle fast gleichzeitig alle Personen betreut werden und auch mit der Befreiung des Eingeklemmten mit den schwersten Verletzungen begonnen werden kann.

Grundsatz 3 – Personenrettung ist so schonend wie möglich und so rasch als erforderlich durchzuführen

Bei den Befreiungsarbeiten sind hydraulische Rettungsgeräte bevorzugt einzusetzen, da weitgehend erschütterungs- und funkenfrei gearbeitet werden kann. Bei Unfallfahrzeugen neuerer Bauart ist unbedingt auf nicht ausgelöste Sicherheitssysteme wie Air Bag und Gurtstaffer zu achten.

Liegt eine Gefährdung für den Verletzten vor, ist bezüglich der Personenrettung die Geschwindigkeit der Einsatzdurchführung von primärer Bedeutung. Der Verletzte sollte von möglichst vielen Helferhänden ergriffen und sein Kopf fixiert werden. Es ist darauf zu achten, die Person gleichmäßig anzuheben, ohne dass Körperabschnitte nach unten durchhängen.

Bei einer Personenrettung aus einem Pkw soll in der Praxis nachstehende Methode angewendet werden.
Um den Verletzten herum soll soviel Freiraum wie möglich geschaffen werden. Ob der Verletzte zuerst mit den Beinen oder mit dem Oberkörper aus dem Fahrzeug gehoben wird, ist situationsbedingt zu entscheiden. Schonender für den Verletzten und weniger anstrengend für die Helfer ist es, den Verunfallten mit dem Oberkörper voran zu bergen. Dazu wird der Oberkörper im Beckenbereich so gedreht, dass er mit dem Rücken zur nächsten Türe zeigt. Zugleich sind die Beine im Fahrzeug zu führen und zu stützen. Der Kopf wird von einem Helfer fixiert. Zwei weitere Helfer stehen sich gegenüber und stabilisieren den Oberkörper des Verletzen. Dieser wird vorsichtig so weit aus dem Fahrzeug herausgehoben, dass ein weiteres Helferpaar das Gesäß stützen kann. Somit liegt der Verletzte auf den vier Armpaaren, der Kopf wird fixiert und die Beine werden geführt.
Nun kann der Verletzte auf eine Trage gehoben oder auf einem vorbereiteten Platz (z.B. einer Decke) abgelegt werden.

Bei rasch vorzunehmenden Personenrettungen aus einem Lkw oder Bus ist sinngemäß wie oben beschrieben zu verfahren, jedoch aufgrund des Höhenunterschiedes werden Verletzte in der Regel mit den Beinen voraus geborgen.

Liegt keine Gefährdung vor, so kann der Verletzte bis zum Eintreffen eines Rettungsdienstes durchaus in der vorgefundenen Position versorgt werden. Die notwendigen Maßnahmen für das Bewegen des Verletzten können dann mit dem Notarzt abgesprochen und nach Möglichkeit alle erforderlichen Hilfsmittel wie Halswirbelsäulenschiene, Schaufeltrage, etc. eingesetzt werden.

Kann ausreichend Platz im Lkw-Führerhaus geschaffen werden, ist der schonende Transport eines Verletzten – wie nachstehend beschrieben – mittels Schaufeltrage möglich.
Nach der Versorgung durch den Notarzt wird ein Teil der Schaufeltrage unter das Gesäß des Verletzten gebracht (bei der Rettung des Fahrers mit dem Kopfteil in Richtung Beifahrersitz). Die zweite Schaufeltragenhälfte wird unterhalb der Beine eingeschoben. Beim Schließen der beiden Schaufeltragenhälften muss darauf geachtet werden, dass keine Körperteile eingeklemmt werden. Unter leichtem Zug (kopfwärts) wird der Verletzte niedergelegt. Dabei sind die Beine ebenfalls unter leichtem Zug auf die Schaufeltrage zu legen. Nach dem Angurten wird der Verletzte unter Zuhilfenahme einer möglichst großen Zahl an Helfern aus dem Fahrzeug gehoben.

Im neuen WSW ist für die Bergung von Unfallopfern eine Rettungsplattform (siehe Bild) vorgesehen. Mit dieser Plattform soll ein schonender Transport von Verletzten über Lkw Fronten, aus Bussen sowie Zugwaggons möglich sein.

Das Board und eine Art von Rückenkorsett – in Amerika standardmäßig in Gebrauch, in Österreich jedoch nur von einigen Rettungsorganisationen eingesetzt – sollen hier als weitere Hilfsmittel Erwähnung finden.



Grundsatz 4 – Übung macht den (Lösch-) Meister

Schwere Verkehrsunfälle gehören bei einer Großstadtfeuerwehr wie der BF Wien zur Tagesordnung im Einsatzgeschehen. Daher wird auf das Üben der Personenrettung sowie auf das Training mit den hydraulischen Rettungsgeräten großer Wert gelegt.
In der Zugswache Landstraße soll im Jahr 2001 einer Übungsanlage für Einsätze bei Verkehrsunfällen
fertiggestellt werden. Dies soll die Voraussetzungen schaffen, um die Fortbildungschwerpunkte Verkehrsunfälle (Pkw, Lkw) und Personenrettung erfolgreich fortsetzen und die Unfalleinsätze weiter optimieren zu können.

Der Autor:
BR Gerhard Pober
Bereitschaftsoffizier der BF Wien und
Leiter des Referates F4 - Technischer Hilfsdienst
Hauptfeuerwache Hernals
Johann Nepomuk Berger Platz 12
1170 Wien

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