Interview mit Herrn Branddirektor Dipl. Ing. Dr. Perner

Firefighter: Herr Branddirektor, es ist leider wieder einmal im Zuge einer Einsatzfahrt zu einem schweren Unfall mit tödlichem Ausgang gekommen, diesmal war ein Motorrad der Staffel „Favoriten“ beteiligt und das Opfer eine Passantin. Welche Konsequenzen zieht dieser Unfall nach sich?
Dr. Perner: Zunächst einmal ist es wichtig, dass unser Mann wieder vollkommen gesund wird und keine Schäden zurückbleiben. Das sollte nach Auskunft der behandelnden Ärzte und Ärztinnen gewährleistet sein, wenngleich der Heilungsprozess noch längere Zeit in Anspruch nehmen wird. Von überstürzten Konsequenzen, wie etwa dem Auflassen der Motorradstaffel halte ich nichts, denn man muss in so einem Fall zunächst einmal die genaue Unfallursache analysieren. Erst wenn das geschehen ist, kann man das System, soferne sich Schwachstellen zeigen, verbessern.
Firefighter: Es ändert nichts an der Tatsache, dass Verkehrsunfälle passieren können, aber ist die Einsatzart „Verkehrshindernis“ das Risiko einer Anfahrt eines Motorrades mit Blaulicht und Folgetonhorn überhaupt wert?
Dr. Perner: Es ist in so einem Fall natürlich legitim, alles zu hinterfragen, aber man muss meiner Meinung nach das gesamte Umfeld durchleuchten. Gerade bei Verkehrsunfällen auf der Stadtautobahn erfolgt die Alarmierung sehr häufig über Handys vorbeifahrender Kraftfahrzeuglenker. Es ist diesen Personen nicht immer möglich, im Vorbeifahren die Situation in der gesamten Tragweite zu erfassen. So gesehen macht es durchaus Sinn, sicherheitshalber auch eine Motorradstaffel zu entsenden. Auch das Argument, dass die Löschgruppenfahrzeuge häufig vor der Motorradstaffel an der Einsatzstelle eintreffen, ist mir bekannt. Da sich die Motorradfahrer erst entsprechend ausrüsten müssen, ist das auch ganz normal. Richtig zum Tragen kommt dieses System erst dann, wenn die Löschfahrzeuge im Stau hängenbleiben; die Motorräder haben im Stau natürlich unschätzbare Vorteile und würden in einem solchen Fall zuerst die Einsatzstelle erreichen. Hier können dann die Erstmaßnahmen wesentlich rascher durchgeführt werden, selbst wenn diese nur im Absetzen einer detaillierten Lagemeldung bestehen. Es sollen also keineswegs Rennen gefahren werden, sondern die Motorräder spielen ihre Stärke erst dann aus, wenn die anderen Fahrzeuge stecken bleiben. Es ist mir klar, dass auch dieses System ein gewisses Risikopotential birgt, aber in einem Beitrag im Firefighter über die Motorradstaffel stand im Untertitel, um was es sich dabei wiklich handelt: um einen Versuch, schneller zu helfen!
Firefighter: Was passiert jetzt weiter mit dem Unfallfahrer?
Dr. Perner: Abgesehen von der menschlichen Tragödie wird dieser Unfall auch juristisch zu bewerten sein. Es ist noch zu früh, um dazu eine Stellungnahme abzugeben, aber sie können sicher sein, dass ich persönlich dafür sogen werde, dass unser Fahrer die bestmögliche juristische Vertretung erhält.
Firefighter: Gibt es etwas Neues zum Thema „Berufsbild für die Feuerwehr“?
Dr. Perner: Es werden zu diesem Thema laufend Gespräche geführt, da sie sich aber vorstellen können, dass Forderungen jeder Art in Zeiten wie diesen schwierig durchzubringen sind, stehen konkrete Ergebnisse noch aus. Es wurden aber bereits mehrere Politiker mit der Problematik konfrontiert um eine Aufgeschlossenheit der entsprechenden Entscheidungsträger zu erreichen. Da alle Branddirektoren der Berufsfeuerwehren Österreichs in dieser Hinsicht an einem Strang ziehen, bin ich persönlich optimistisch, dass es hier in einer absehbaren Zeit zu einer Lösung kommt.
Firefighter: Wie weit ist das Projekt „Feuerwehrhubschrauber“ gediehen?
Dr. Perner: Es wurden zunächst die Anforderungen an Fluggerät und Landeplatz definiert, ein Beitrag zu diesem Thema ist im vorliegenden Heft nachzulesen. Eine denkbare Möglichkeit wäre eine Kooperation mit einem großen Automobilclub, dadurch würden sich positive Synergieeffekte ergeben. Bis zur Realisierung dieses Projektes ist es aber noch ein weiter Weg, konkrete Weichenstellungen erfolgen im Laufe des nächsten Jahres.
Firefighter: Wie beurteilen sie ganz allgemein den Ablauf des zu Ende gehenden Jahres?
Dr. Perner: Die Berufsfeuerwehr Wien entwickelt sich dank Qualifikation und Motivation aller Mitarbeiter immer mehr zu einem modernen Dienstleistungsbetrieb, der keinen Vergleich scheuen muss. Kleinere Probleme, die in einem derartigen Unternehmen immer vorkommen, sind dazu da, um gelöst zu werden. Natürlich sind auch Nachjustierungen in verschiedenen Bereichen notwendig, aber im Großen und Ganzen glaube ich, dass die Richtung stimmt. Ich möchte auf diesem Weg den MitarbeiterInnen der Wiener Berufsfeuerwehr und deren Angehörigen ein frohes Weihnachtsfest und Gesundheit im nächsten Jahr wünschen.
Firefighter: Herr Branddirektor, wir danken für das Gespräch!