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Leitartikel |
Sind "Discounfälle" wirklich unvermeidbar?
Junge Hirsche
springen höher als es unbedingt notwendig wäre, junge Löwen brüllen
lauter als es unbedingt erforderlich ist und junge Männer fahren schneller
mit dem Auto als es wirklich sinnvoll ist. All diese Verhaltensweisen verfolgen
das Ziel, paarungsbereite Weibchen anzulocken und sind offensichtlich in den
Genen programmiert.
Während der junge Hirsch allerdings höchstens unglücklich stolpern
kann und der junge Löwe vielleicht etwas heiser wird, enden derartige Rituale
beim jungen Menschen häufig tödlich.
Man kennt die Uhrzeit, wann derartige Unfälle passieren (meist zwischen
02:00 und 04:00 Uhr), man weiß das Alter der Lenker (meist zwischen 19
und 24 Jahre) und man weiß sogar, welche Autotypen betroffen sind (meist
kleine, leichte Fahrzeuge mit unangemessen übertriebener Motorleistung).
Man weiß allerdings nicht, wie man solche Unfälle verhindern kann
und manchmal gewinnt man den Eindruck, dass es von vielen als natürliche
Selektion betrachtet wird, wenn wieder ein jugendlicher Raser stirbt.
Das ist natürlich kompletter Unsinn, denn nichts ist volkswirtschaftlich
so schädlich, als wenn fertig ausgebildete Personen die am Höhepunkt
ihrer Leistungsfähigkeit sind, ums Leben kommen. Abgesehen von den tödlichen
Unfällen vermisse ich auch eine Debatte über die Schwerverletzten,
die nach kurzer Erwähnung in den Medien nirgendwo mehr aufscheinen. Die
menschlichen Tragödien, die dahinter stehen, wenn zuvor ganz normale Menschen
erst wieder mühsam die elementarsten Körperfunktionen erlernen müssen
oder zu Pflegefällen werden, finden nur in Ausnahmefällen, etwa bei
Prominenten, in den Medien Erwähnung.
Was kann man also konkret tun, um Discounfälle zu vermeiden? Jeder weiß,
dass er nicht besoffen, eingeraucht oder nach dem Einwurf von schlimmen Pulverln
ein Auto lenken soll. Der erhobene Zeigefinger wird trotzdem in den meisten
Fällen mit einem erhobenen Mittelfinger quittiert.
Ich bin natürlich der Letzte, der dafür plädiert, sich in allen
Lebensbereichen so vorsichtig zu verhalten wie Stachelschweine bei der Paarung.
Man muss allerdings die Sprache enttarnen. Wenn im Zusammenhang mit motorisierten
Fortbewegungsmitteln von „sportlich“, „kraftvoll“ oder „dynamisch“ die Rede
ist, sollte man hellhörig werden. Aus naheliegenden Verkaufsgründen
wird in der Werbung stark emotionalisiert. Die genannten Attribute sollten auf
den Lenker zutreffen und nicht auf die Blechkiste!
Die Lösung kann nur im Umdenken der betroffenen Zielgruppe liegen. Männer,
die fahren wie Verrückte, sind nicht cool. Nur jene, die ein Mädel
sicher von A nach B bringen können, verdienen Aufmerksamkeit, denn Raser
sind meist auch bei anderen Dingen zu schnell (= wenig Spaß für die
paarungsbereiten Weibchen, siehe erster Absatz).
Vielleicht können LeserInnen des Firefighters auf VertreterInnen der angesprochenen
Zielgruppe im Sinne dieses Artikels einwirken, denn ich bin der Meinung, dass
junge Menschen in einem Sarg absolut nichts verloren haben!
| Herzlichst | ![]() |
P.S.: Ich bedanke mich bei allen Kollegen, die mir Beiträge für das
vorliegende Heft geliefert haben. Viel Spaß beim Lesen!
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